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Wie ein Mann einen frei erfundenen Flughafen verkaufte und Millionen ergaunerte

19.04.2018

Betrugsfälle passieren von Zeit zu Zeit immer wieder. Meist fallen diese aber schnell auf. Eine der weltweit größten Betrugsmaschen geschah vor 20 Jahren in Nigeria. Der nigerianische Betrüger Emmanuel Nwude verkaufte Mitte der 90er Jahre dem brasilianischen Bänker Nelson Sakaguchi einen frei erfundenen Flughafen für insgesamt 242 Millionen Dollar.

Der Betrug, der mit einem simplen Fax begann

Der Betrug startete im März 1995 mit einem Fax an Nelson Sakaguchi. Er war ein brasilianischer Bänker bei der Banco Noroeste und führte seit 1981 die Auslandsgeschäfte des brasilianischen Bankhauses. Sakaguchi wurde von Freunden immer als loyaler und hart arbeitender Mensch beschrieben. Diese Loyalität war allerdings wohl nur dann gegeben, wenn es um keine hohen Geldsummen ging. Die Banco Noroeste war keine große Bank, aber besaß zu dem Zeitpunkt rund 550 Millionen Dollar. Besagtes Fax schickte Nwude an den Bänker unter dem Namen Tafida Williams. Williams war einer der Direktoren des nigerianischen Luftfahrtministeriums. Der Inhalt des Faxes besagte, dass Nigeria einen internationalen Flughafen in Abuja bauen wolle und dafür Investoren suche. Sakaguchi glaubte dem Inhalt des Faxes, da Nigeria 1991 seine Hauptstadt von Lagos nach Abuja verlegte und ein Flughafen dort Sinn gemacht hätte. Auch dass Nigeria ausländische Investoren für den Flughafen suchte, machte den Brasilianer nicht stutzig. Aus diesem Grund stimmte er einem Treffen in London zu.

Sakaguchi fällt auf den Betrug rein

In London angekommen, wurde Sakaguchi direkt vom Flughafen von einer Limousine abgeholt und in ein Luxushotel chauffiert. Dort traf er auf vier Nigerianer. Nwude begrüßte den Bänker zuerst und gab ihm eine Visitenkarte, welche ihn als Paul Ogwuma auswies, den Chef der nigerianischen Zentralbank. Seine Begleiter stellte er als seinen Stellvertreter, dessen Ehefrau und einen hochrangigen Beamten des Luftfahrtministeriums vor. Die eigentlichen Namen seiner Begleiter waren Nzeribe Okoli, Christian und Amaka Anajemba. Gemeinsam präsentierten die vier Nigerianer Sakaguchi den Plan für den Flughafen. Dieser sollte 191 Millionen Dollar kosten. Nwude versicherte dem Bänker, dass die Rendite für die Bank sehr hoch sei. Eine weitere Lüge sollte sicherstellen, dass Sakaguchi auf jeden Fall auf den Deal eingehen würde. Nwude erklärte dem Brasilianer, dass wenn die Banco Noroeste auf die Finanzierung eingehen würde, der Bänker eine Provision von zehn Millionen Dollar erhalten würde. Die Lüge Nwudes zog so gut bei dem brasilianischen Bänker, dass er dem Betrüger noch am gleichen Abend 35.000 Dollar gab. Wenige Tage später flossen die ersten vier Millionen Dollar auf ein Nummernkonto in der Schweiz ein. Nwudes und seine Komplizen hörten allerdings nicht auf. Alle paar Monate schrieben sie gefälschte Briefe von der Zentralbank und baten um weiteres Geld. Es folgten über drei Jahre lang verdeckte Zahlungen an Konten in der Schweiz und auf den Cayman Islands. Sakaguchi überwies jedes Mal das geforderte Geld. Da Sakaguchi nie Summen über sechs Millionen Dollar überwies, brauchte er auch nie die Zustimmung des Vorstandes. So kam es dazu, dass vorerst niemand in der Banco Noroeste merkte, dass auf einmal 242 Millionen Dollar verschwanden. Dieser Betrag war rund die Hälfte des Kapitals der Bank.

Der Betrug fällt auf

Der Betrug fiel erst 1998 auf, als die spanische Banco Santander den brasilianischen Konkurrenten aufkaufen wollte. Die Spanier stellten fest, dass es seltsame Zahlungen in die Schweiz und auf die Cayman Islands gab, für die es keine logische Erklärung gab. Außerdem fehlten wichtige Dokumente. Sakaguchi gingen irgendwann die Ausreden aus und er gab die Geldwäsche zu. Zu diesem Zeitpunkt war ihm vermutlich schon bewusst, dass er Opfer eines Betruges geworden war. Ein internationaler Sonderermittler untersuchte schließlich die Geldflüsse von Brasilien nach Nigeria. Die Täter als Nwude, Okoli und das Ehepaar Anajemba zu identifizieren fiel nicht schwer. Die vier Nigerianer gaben das ergaunerte Geld aus, ohne darüber nachzudenken, dass ihnen auf die Schliche gekommen werden könnte. Sie kauften sich zahlreiche Immobilien, Schmuck und Uhren und feierten Partys. Es dauerte trotzdem bis 2004 bis die Täter verhaftet werden konnten und vor Gericht gestellt wurden.

Der Prozess und die Geschehnisse danach

Schon bevor Nwude und seine Komplizen verhaftet wurden, versuchte der Nigerianer mit Bestechungen aus dem Delikt frei zu kommen. Vor Gericht änderte sich sein Verhalten nicht. Er bestach erfolgreich Gerichtsmitarbeiter und den Richter und die Angeklagten verließen den Gerichtssaal als freie Menschen. Allerdings wurden sie nur wenige Augenblicke später erneut verhaftet und vor den Obersten Gerichtshof in Lagos gebracht. Frau Anajemba brach unter dem Druck zusammen und gestand schließlich die Tat. Die anderen bestritten weiterhin die Vorwürfe. Erst als der Bänker Sakaguchi in den Zeugenstand trat, konnten die Angeklagten für schuldig gesprochen werden. Die Betrüger wurden mit Gefängnisstrafen für ihre Delikte bestraft. Zudem wurden all ihre Besitztümer beschlagnahmt. Der brasilianische Bänker Sakaguchi wurde ebenfalls wegen Geldwäsche angeklagt und musste schließlich zwei Jahre ins Gefängnis. Nwude, der 2004 zu 25 Jahren Haft verurteilt wurde, kam aus ungeklärten Gründen 2006 wieder frei. Damit aber noch nicht genug. Der Nigerianer verklagte den Staat auf Herausgabe seines Vermögens. Er erhielt tatsächlich 52 Millionen Dollar zurück. Anstatt mit diesem Geld zu leben, beging Nwude weiterhin Straftaten. 2011 beging er einen Immobilienbetrug für den er wieder vor Gericht stand. 2016 stand er schließlich erneut vor Gericht. Diesmal für Mord und Terrorismus in 27 Punkten.


Bildquellen:

Bildquelle: © Clarita | Dreamstime Stock Photos

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