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Der "Inkasso-Check" der Verbraucherzentralen

12.12.2018

Jedes Jahr werden tausende von Inkassoforderungen verschickt und versetzen Verbraucher in Angst vor den möglichen Konsequenzen. Teilweise sind diese Forderungen nicht einmal berechtigt. Die deutschen Verbraucherzentralen wollen gezielt gegen betrügerische Inkassounternehmen vorgehen, indem sie den Verbrauchern ein Online-Tool zur Verfügung stellen, mit dem die Inkassoforderung überprüft werden kann.

Zu hohe Inkassoforderungen

Nach der Überprüfung von mehr als 40.000 Inkassoforderungen kamen Verbraucherschützer zu dem Ergebnis, dass jede fünfte Inkassoforderung unberechtigt ist. Die Inkassogebühren sind zudem meist höher als die Verbraucherschützer sie für gerechtfertigt halten. Seit Februar dieses Jahres hat das Portal „Inkasso-Check“ tausende Forderungen von Inkassounternehmen überprüft und einige Bedenken zu ihren Entdeckungen geäußert. So dürfen Inkassobüros zwar Gebühren verlangen, die eine Höhe erreichen, die auch für Rechtsanwälte gelten, allerdings überstiegen die Forderungen diese Höhe in einigen Fällen. Die Forderungen der Inkassobüros waren höher, als die Gebühren, die ein Anwalt für eine juristische Prüfung ansetzt. Aus diesem Grund fordert der Geschäftsführer der Verbraucherzentrale Brandenburg nun eine effektivere Aufsicht über Inkassounternehmen und eine Eingrenzung der Kosten, die Inkassobüros verlangen dürfen. Um Verbraucher vor diesen hohen Kosten zu schützen, ist seit Februar das Portal „Inkasso-Check“ der Verbraucherzentralen online. Seitdem besuchten bereits 100.000 Verbraucher die Seite. Das Portal liefert eine rechtliche Einschätzung, ob die betroffenen Verbraucher überhaupt bezahlen müssen. Falls der Verbraucher bezahlen muss, prüft „Inkasso-Check“ zudem auch, wie viele der Gebühren gerechtfertigt sind.

Inkasso-Check

Verbraucher fühlen sich von Zahlungsaufforderungen durch Inkassounternehmen oft stark unter Druck gesetzt. Die Unternehmen drohen häufig mit erheblichen Kosten für Gerichtsverfahren, mit Lohn- und Gehaltspfändung und sonstigen Zwangsvollstreckungen. Durch diese Drohungen fühlen sich Verbraucher dazu genötigt zu bezahlen, obwohl sie oft nicht einmal wissen, ob die Höhe der Inkassokosten überhaupt angemessen ist. Mit dem „Inkasso-Check“ der Verbraucherzentralen soll Verbrauchern eine Einschätzung darüber gegeben werden, ob ihre Inkassoforderung Hand und Fuß hat. Dieser Service ist für die Verbraucher kostenlos. Für den Check müssen Verbraucher lediglich einige Fragen zu ihren Unterlagen beantworten. Wichtig für die Prüfung sind vor allem die Inkassoforderung selbst und die ursprüngliche Rechnung. Daraufhin erhalten die Verbraucher dann eine rechtliche Einschätzung zu den Inkassoforderungen. Bei Bedarf erhält der Verbraucher auch einen Musterbrief an das Inkassounternehmen, falls der Forderung widersprochen werden möchte.

Kritik an Inkasso-Check

Während die Verbraucherzentralen das Wohl der Verbraucher im Sinn haben und diese vor zu hohen und ungerechtfertigten Kosten schützen wollen, haben Inkassounternehmen ihre ganz eigene Meinung zu dem „Inkasso-Check“-Portal. Die Inkassounternehmen sehen Probleme mit dem Datenschutz beim „Inkasso-Check“ und sind auch nicht mit den Ergebnissen dieser Checks zufrieden. So würde das Portal Verbrauchern regelmäßig falsche Einschätzungen liefern und ihnen meist dazu raten, auch bei berechtigten Forderungen der Inkassounternehmen, Widerspruch einzulegen. Das problematische an dieser Sache ist vor allem, dass dieser Widerspruch Mahnbescheide und Zahlungsklagen provoziert und die Gläubiger noch länger auf ihr Geld warten müssen. Die Inkassounternehmen sehen allerdings den Zweck hinter der Dienstleistung der Verbraucherzentralen, da es viele Betrüger gibt, die unter dem Decknamen „Inkasso“ Verbraucher um ihr Geld bringen wollen. Hier sehen die richtigen Inkassounternehmen ein wahres Problem, welches nur gelöst werden kann, wenn es eine bundesweite Aufsicht über Inkassounternehmen geben würde.


Bildquellen:

Bildquelle: Michaela Zimmermann / MZ-Datenservice

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