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Deutschland lebt auf natürlichen Kredit

06.05.2018

Jahr für Jahr verbraucht die Menschheit mehr natürliche Ressourcen als der Planet zur Verfügung stellen kann. Auch Deutschland und seine Bewohner verbrauchen mehr natürliche Ressourcen, als ihnen zur Verfügung stehen. Seit dem 2. Mai lebt Deutschland auf „Kredit“.

Der Jahrestag der Erdüberlastung

Die Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch engagiert sich seit 1991 für globale Gerechtigkeit und den Erhalt von Lebensgrundlagen. Der Verein konzentriert sich dabei auf die Politik und Wirtschaft der Länder des globalen Nordens und setzt sich für die Gerechtigkeit der Menschen des globalen Südens ein. Im Sinne dieser Zielverwirklichung verwies Germanwatch vor einigen Tagen auf eine Nachricht des Global Footprint Networks. Laut Berechnungen dieser Forschungsorganisation hatte Deutschland bereits am 2. Mai seine Ressourcen für 2018 aufgebraucht. Die Deutschen leben für den Rest des Jahres auf Kosten kommender Generationen und der Menschen des globalen Südens. Die Berechnungen des Global Footprint Networks zeigten außerdem, dass, wenn der Rest der Welt genauso viele Ressourcen verbrauchen würde, wie Deutschland, dann hätte die Weltbevölkerung schon jetzt alle regenerierbaren Ressourcen für 2018 verbraucht. Damit solch ein Verbrauch nachhaltig gedeckt werden könnte, bräuchte die Menschheit drei Erden. Der Tag der kompletten Erdüberlastung wird jedes Jahr vom Global Footprint Network errechnet. Im Vergleich zum Vorjahr ist dieser Tag um etwa eine Woche nach hinten gewandert. Das liegt aber nur an den wetterbedingten Emissionsschwankungen und nicht an einem nachhaltigeren Verhalten. Der Tag der globalen Erdüberlastung für 2018 wird im August erwartet. Der Trend des sogenannten „Overshoot Days“ zeigt, dass der Tag der Überlastung jedes Jahr früher geschieht.

Was ist dieses Global Footprint Network überhaupt?

Das Global Footprint Network (GFN) ist eine Non-Profit-Organisation, die im Umweltbereich tätig ist. Das Haupttätigkeitsfeld dieser Organisation ist die Arbeit rund um den Ökologischen Fußabdruck. Der Ökologische Fußabdruck ist ein Kennzahlensystem, das quantifiziert, wie viele Ressourcen der Menschheit zur Verfügung stehen. Außerdem quantifiziert das System wie viele Rohstoffe die Menschheit bereits verbraucht hat. Diese „Kontoauszüge der Natur“ geben Informationen darüber, welche Bevölkerungsgruppen (zum Beispiel die Bewohner Deutschlands) wie viele Ressourcen verbrauchen und wofür diese verbraucht werden. Die Methode des „Ecological Footprints“ ist ein weltweiter Standard zur Messung von Rohstoffen. Das Ziel des Global Footprint Networks ist die Schaffung einer nachhaltigen Welt, in der allen Menschen ein würdiges Leben ermöglicht wird. Dieses Leben soll aber nicht über die natürlichen Kapazitäten der Erde hinaus gelebt werden. Das GFN möchte, mit Hilfe des Global Footprints, einen Dialog über die Nachhaltigkeit eröffnen. Die Organisation möchte den Menschen vermitteln, dass nur durch ein nachhaltiges Leben eine langfristige ökonomische Entwicklung gesichert werden kann. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeitet GFN mit regionalen und nationalen Regierungen, Industrieunternehmen und anderen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zusammen.

Wie kam die Überlastung zustande und wie kann sie verhindert werden?

Schon immer haben Menschen natürliche Ressourcen verbraucht, um Städte und Straßen zu bauen, Nahrungsmittel zu gewinnen oder andere Produkte herzustellen. Aber bereits Mitte der 1970er Jahre hatte die Menschheit eine kritische Grenze überschritten. Die Nachfrage an natürlichen Ressourcen hatte schon zu diesem Zeitpunkt die globale Kapazität zur Reproduktion und zum Angebot neuer Ressourcen überstiegen. Laut GFN wird die Menschheit bei gleichbleibender Entwicklung bis 2050 jährlich die Rohstoffe zweier Planeten beanspruchen. Indikatoren wie Treibhauseffekte, die schneller erzeugt werden als von Wäldern und Ozeanen absorbiert und abgebaut werden können, Abholzung der Wälder, Rückgang der Artenvielfalt und Überfischung tragen dazu bei, dass die Menschheit mehr verbraucht. Um dieses schnelle Voranschreiten, wenigstens in Deutschland, zu verhindern, fordert Germanwatch eine Trendwende beim CO2-Ausstoß. Dieser ist nämlich seit dem Jahr 2009 nicht mehr gesunken. Nach Aussagen von Germanwatch muss die deutsche Bundesregierung Klima- und Agrarpolitik zusammenlegen und über eine Gesamtlösung für diese Problempunkte nachdenken. Der Flächenbedarf für die Fleischproduktion und die Überlastung der Böden durch Düngemittel sind in Deutschland die größten Faktoren, die dazu beitragen, dass der Erdüberlastungstag jährlich näher rückt.


Bildquellen:

Bildquelle: Michaela Zimmermann / MZ-Datenservice

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