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Die Abschaffung des Kleingeldes

14.05.2019

Der Euro und damit auch die Cent-Münzen haben ab 2002 offiziell die D-Mark ersetzt. Jetzt stehen die kleinsten Cent-Münzen bereits in der Kritik und könnten eventuell sogar hierzulande abgeschafft werden. Aber welche Art von Kritik gibt es an der Münzwährung und ist eine solche Abschaffung überhaupt möglich?

Cent-Münzen in der Kritik

In anderen europäischen Ländern gibt es die Diskussion, um die 1- und 2-Cent-Münzen schon eine ganze Weile. Jetzt ist die Abschaffung der kleinsten Münzen auch Thema in Deutschland. Kritiker der Münzwährung sehen sie als zu teuer und auch altertümlich an. Aber das sind nicht die einzigen Gründe für die Abschaffung. Die Produktion der Münzen ist nämlich auch eine kostspielige Angelegenheit. Durchschnittlich wird davon ausgegangen, dass die Produktion einer 1-Cent-Münze rund 1,6 Cent kostet. Das bedeutet, dass die Herstellung der Münze wesentlich über dem eigentlichen Produktwert liegt. Dazu kommt auch noch, dass die kleinen Münzen häufig verloren gehen und daher ständig nachproduziert werden müssen. Auch ist die Akzeptanz der kleinen Münzen ein Thema. Sie werden nämlich an vielen Automaten, wie Park- oder Fahrkartenautomaten aufgrund ihres geringen Wertes, nicht akzeptiert. Viele empfinden die Münzen auch als unpraktisch und zu schwer im Geldbeutel. An der Kasse dauert es häufig länger, wenn ungerade Centbeträge passend bezahlt werden möchten und das kostet alle Beteiligten Zeit. Aber die Münzen hatten bei der Einführung des Euros natürlich auch einen Grund und eine jetzige Abschaffung würde Nachteile mit sich bringen.

Nachteile einer Abschaffung

Die Verbraucher und die Wirtschaft sind schon so auf die kleinen Münzen eingestellt, dass eine Abschaffung jetzt einige Nachteile und Umstellungen mit sich bringen würde. Beispielsweise müsste der Handel seine Preise anpassen, was unter Umständen teuer werden kann. Konsumenten haben die Befürchtung, dass sie bei dieser Anpassung am Ende mehr für Waren zahlen müssen. Auch beim Wettbewerb wird es Umstellungen geben müssen. Vor allem beim Strom- und Benzinpreis. Die Preise in diesen Branchen sind nämlich auf die Nachkommastelle genau kalkuliert. Bei einer Abschaffung der Kleinstmünzen sind die Preissprünge der Anbieter, um sich gegenseitig im Wettbewerb zu unterbieten, wesentlich höher. Dies kann auch wieder einen Anstieg der Preise zur Folge haben. Eine weitere mögliche Konsequenz der Abschaffung wären die Einbußen bei Spenden. Hilfsorganisationen finanzieren einen Teil ihrer Arbeit über Kleingeld, welches sie aus Sparbüchsen erhalten, die an Kassen aufgestellt sind. Sollten die 1- und-2-Cent-Münzen abgeschafft werden, werden die Sparbüchsen in Zukunft vermutlich eher ziemlich leer bleiben.

Kann Deutschland auf die Münzen verzichten?

Laut einer Untersuchung der Saarbrücker Zeitung liegen in deutschen Haushalten rund 15 Milliarden 1- und 2-Cent-Münzen in Schubladen und in Sparschweinen. Dies entspricht einer Summe von 220 Millionen Euro. Ein Großteil dieses Geldes wurde von seinen Besitzern vergessen und liegt nur rum. Bei solchen Ergebnissen ist es logisch, dass die Frage aufkommt, ob eine Abschaffung der kleinen Münzen nicht doch besser wäre. Allgemein ist eine Umstellung auf den Verzicht von den kleinen Münzen zwar möglich, aber von heute auf morgen funktioniert das nicht. Bevor auf die Münzen verzichtet werden kann, müssen zunächst die Bezahlsysteme, Preise und Gewohnheiten grundlegend überarbeitet werden. Dies müsste Schritt für Schritt geschehen. Die USA sind ein gutes Beispiel für diese Umstellung. Auf der anderen Seite des Atlantiks wird hauptsächlich mit Scheinen gezahlt. Münzen können zwar als Rückgeld gegeben werden, dies ist aber eher unüblich. In den USA findet Kleingeld nur an Automaten und Telefonzellen Anwendung.


Bildquellen:

Bildquelle: Michaela Zimmermann / MZ-Datenservice

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