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Finnland prüft Kryptowährung auf Tauglichkeit als echte Währung

28.07.2018

Schon seit längerer Zeit gibt es das heiß diskutierte Thema, ob Kryptowährungen weitläufig als Zahlungsmittel anerkannt werden sollten oder nicht. In einigen Fällen wird sich sogar für Kryptowährungen als anerkannte Währungen ausgesprochen. Die finnische Zentralbank hat nun für sich entschieden, was sie von Kryptowährungen als Währungen hält.

Finnische Studie

Es ist ein bereits ein langandauernder Streit zwischen Bitcoin-Gegnern und Bitcoin-Befürwortern, doch ob Bitcoin eine Währung ist oder nicht, kann nur von Zentralbanken entschieden werden. Die finnische Zentralbank „Bank of Finland“ hat sich nun zu dem Thema ausgesprochen. Im Rahmen einer Studie, ob Bitcoin als Währung taugt oder nicht, hat ein Digitalisierungsbeauftragter der finnischen Zentralbank ein Werk mit dem Titel „The great illusion of digital currencies“ veröffentlicht. Wie der Name des Werkes schon deutlich anspricht, konnten Kryptowährungen den Digitalisierungsbeauftragten nicht sehr überzeugen. In der Analyse kam es zu dem Ergebnis, dass es sich bei Kryptowährungen nicht um echte Währungen, sondern um „Buchhaltungssysteme für nicht-existente Anlagengegenstände“ handelt. Die Kryptowährungen wären somit nur ein Sonderfall von digitaler Währung. Eine richtige Währung zu digitalisieren, sei indes nicht einmal möglich. Abgesehen von der technischen Seite von Bitcoin und Co. ist der Innovationswert von Kryptowährungen, laut der Studie, sehr gering.

Was zeichnet Geld und Währungen aus?

Damit die Frage geklärt werden kann, ob Kryptowährungen echte Währungen sind oder nicht, musste zunächst die Frage geklärt werden, was Geld eigentlich zu Geld macht. Der finnische Digitalisierungsbeauftragte bezog sich dabei auf die verbreitete und allgemein akzeptierte Auffassung, dass Geld drei Funktionen erfüllen muss. Die erste ist, dass Geld als Wertaufbewahrungsmittel dienen muss. Das heißt, dass sich sein Tauschwert über die Zeit nicht drastisch verändern und annähernd konstant bleiben sollte. Das bedeutet auch, dass es in der Menge begrenzt sein muss. Die zweite Eigenschaft ist, dass es als Transportmedium für Werte dienen sollte. Die Akzeptanz des Geldes beruht dabei ganz allein auf der Annahme, dass es später gegen andere Güter und Dienstleistungen getauscht werden kann. Die dritte Eigenschaft, die Geld erfüllen sollte, ist, dass es eine Rechnungseinheit sein muss. Das bedeutet, dass es in festgelegte kleinste Einheiten zerlegt werden kann. Erst dadurch wird es möglich, Produktionskosten und den Verkaufspreis einer Ware oder Dienstleistung in ein Verhältnis zu setzen. In der Studie wird der Begriff „Währung“ so definiert, dass es sich um Geld handelt, welches sich im Umlauf befindet und in entsprechenden geographischen oder wirtschaftlichen Regionen als Zahlungsmittel anerkannt wird.

Kritik am Bitcoin

Die finnische Studie bezieht sich vor allem auf Bitcoin als Beispiel für Kryptowährungen, da diese eine Art Vorreiterrolle einnimmt. Die Studie kritisiert an Bitcoin zunächst die Irreführung, wenn von „digitalen Münzen“ die Rede ist. Im Bitcoin-System gibt es nichts was einer Münze ähnelt. Bitcoins funktionieren so, dass digitale Transaktionen den Kern des Bitcoin-Systems bilden. Des Weiteren wird auch die Blockchain als Transaktionshistorie von Bitcoins kritisiert. Laut finnischer Studie ist die Blockchain kein neuer Mechanismus, sondern nur eine digitale Abwandlung von Hauptbüchern, die schon seit Jahrhunderten angewendet werden. Die Studie geht aber noch einen Schritt weiter und spricht Blockchains ihren dezentralen Charakter ab. Begründung hierfür sei, dass obwohl es mehrere, synchronisierte und über ein Netzwerk verteilte Kopien von der Blockchain gibt, so enthalten doch alle Kopien die gleichen Daten. Der Digitalisierungsbeauftragte der finnischen Zentralbank sieht auch keinen Vorteil in der Pseudonymität bei Bitcoin. Laut seiner Aussage ist Bitcoin nur dezentral gebaut, damit Anonymität gewährleistet werden kann. Genau diese Dezentralität bringt aber auch wieder Probleme mit sich. Dadurch, dass Bitcoin unabhängig von Regierungen agiert, ist es sehr viel langsamer und kostspieliger, als andere Bezahlsysteme. Die Studie schließt mit der These, dass Kryptowährungen in ihrer Essenz nichts anderes seien, als Buchhaltungssysteme für nicht-existente Einlagen. Begründung dafür ist, dass Geld immer in zwei Formen vorliegen muss. Die erste Form ist als Münzen oder Banknoten und die zweite Form ist als institutionell gedecktes Buchgeld. Eine Digitalisierung des Geldes würde nur die Rechnungseinheit übrig lassen. Zu dieser Kritik ist es wichtig zu erwähnen, dass in das institutionell gedeckte Buchgeld auch nur solange vertraut werden kann, wie Verbraucher den Institutionen selbst vertrauen. Die Argumente der Studie sind vermutlich im Endeffekt nicht ausschlaggebend genug, um Befürworter von Kryptowährungen umzustimmen, aber das ist sicherlich auch nicht der Sinn hinter der Studie gewesen. Ob man nun Gegner oder Befürworter der digitalen Währung ist, wird schließlich jedem Verbraucher selbst überlassen.


Bildquellen:

Bildquelle: Michaela Zimmermann / MZ-Datenservice

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