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Kleinmünzen auf absteigendem Ast

14.05.2018

Wohl jedem ist das Sprichwort „Kleinvieh macht auch Mist“ ein Begriff. Allerdings setzen wenige Deutsche das Sprichwort auch in die Tat um. Die deutschen Bundesbürger horten nämlich über 15 Millionen Ein- und Zwei-Cent-Münzen mit einem Gesamtwert von etwa 220 Millionen Euro in heimischen Spardosen.

Ungenutzte Kupfermünzen

Jeder kennt es, man greift in die Hosen- oder Jackentasche und hat plötzlich eine Ein- oder Zwei-Cent-Münze in der Hand. Die meisten suchen nach ihrem Fund, das nächst beste Gefäß und verstauen die kleinen Münzen darin. Beliebte Ablageorte sind Schubladen, Marmeladengläser oder auch das Handschuhfach im Auto. Vielen Deutschen sind die Kleinmünzen bereits lästig, da ihr Gewicht im Verhältnis zur Kaufkraft zu hoch ist. 42 Ein-Cent-Münzen wiegen nämlich so viel wie eine Tafel Schokolade. Diese Alltagsbeobachtung ist auch statistisch nachweisbar. Die meisten der kleinen Münzen werden nicht als Zahlungsmittel genutzt. Das Bundesfinanzministerium hatte, nach Anfrage der Grünen, verkünden lassen, dass hierzulande bisher circa 11,2 Milliarden Ein-Cent-Münzen ausgegeben worden sind. Von diesen 11,2 Milliarden werden circa 80 Prozent gehortet oder sind bereits verloren gegangen. Auch die Zwei-Cent-Münzen sind nicht besser dran. Knapp 75 Prozent der 8,6 Milliarden ausgegeben Münzen werden entweder gehortet oder sind verloren gegangen.

Aus für die Ein- und Zwei-Cent-Münzen?

Diese hohe Zahl an verlorenem Geld ist bedenklich und stellt in Frage, ob es überhaupt Sinn macht die kleinen Münzen weiterhin zu nutzen. Würde das ganze ungenutzte Kleingeld aneinandergereiht werden, könnte die Erde sechs Mal am Äquator umrundet werden. Außerdem kosten die Kupferstücke in der Herstellung mehr, als sie schließlich wert sind. Der Kostenfaktor zusammen mit der Verschwendung an Metallen und Energie für die Herstellung lässt wirklich die Frage aufkommen, ob es vielleicht Zeit für eine Änderung im Währungssystem ist. Andere europäische Länder gehen mit gutem Beispiel voran. Die Niederlande haben bereits ein Finanzmodell, das komplett auf Ein- und Zwei-Cent-Münzen verzichtet. Das Land hat beschlossen die Kleinstmünzen nicht mehr zu nutzen und rundet Beträge einfach auf fünf-Cent-Beträge auf beziehungsweise ab. Belgien und Irland haben auch diese Rundungsregel eingeführt und nutzen die Kleinstmünzen immer weniger bis gar nicht mehr. Die Rundungsregel stammt ursprünglich aus Finnland. Das Land im Norden beschloss nämlich von Anfang an, auf fünf-Cent-Beträge auf- beziehungsweise abzurunden.

Was spricht gegen die Abschaffung?

Obwohl die Abschaffung der Kleinstmünzen viele Vorteile mit sich bringen würde, gibt es auch wichtige Argumente gegen die Abschaffung. Im Einzelhandel sind meist Preise mit acht oder neun Cent am Ende üblich. Das würde mit der Rundungsregel dazu führen, dass generell aufgerundet wird. Für Verbraucher kommt dies einer Preiserhöhung gleich. Problematisch ist zudem, dass der Euroraum zur Zeit keine einheitliche Regel für das Problem mit den kleinen Münzen hat. Laut Bundesfinanzministerium sollte es auf europäischer Ebene eine Regelung für die Ein- und Zwei-Cent-Münzen geben. Die Rundungsregel ist in anderen Ländern eine freiwillige Sache und die Kleinstmünzen sind an sich noch immer ein gesetzliches Zahlungsmittel. Derzeit gibt es im deutschen Finanzministerium außerdem keine Überlegungen, die Kleinmünzen abzuschaffen oder die Rundungsregel einzuführen. Italien hatte bereits vor, die Kleinmünzen abzuschaffen. Im Mai 2017 machte eine Kommission der Abgeordnetenkammer in Rom einen Vorstoß, ab dem 1. Januar 2018 keine Kleinstmünzen mehr zu prägen. Alle Preise im Handel sollten auf den nächsten Fünf-Cent-Betrag gerundet werden. Die italienische Regierung unterstützte ursprünglich den Plan. Machte dann schließlich aber doch einen Rückzieher. Die Regierung erkannte, dass das Land diese Angelegenheit gar nicht alleine entscheiden kann. Die EU behält in dieser Angelegenheit weiterhin das letzte Wort.


Bildquellen:

Bildquelle: Michaela Zimmermann / MZ-Datenservice

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