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Neuer Negativrekord bei Bundesanleihen

20.09.2017

Der Bund bietet für eine neue 30-jährige Anleihe nur 1,25 Prozent Zinsen. Für eine so lange Laufzeit gab es bisher noch nie so einen geringen Kupon, weder in Europa noch in den USA. Der Grund hierfür ist klar: die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Eine deutsche Bundesanleihe ist eine Anleihe (auch festverzinsliches Wertpapier oder in Englisch Bond genannt), welche von der Bundesrepublik Deutschland als Staatsanleihe (auch als Staatsobligation beschrieben) begeben wird. Vorläufer dieser Staatsanleihen waren mittelalterliche „Prestiti“ oder „Prestanze“ (Darlehen) zur Kriegsfinanzierung in Italien. Als eines der ersten Beispiele gilt der Kredit im Jahre 1156, dieser wurde von Doge Vitale Michiel II. in Venedig zu vier Prozent von seinen venezianischen Bürgern aufgenommen. Die damalige Form wurde leider häufig nicht zurückgezahlt, dies ist heute in der Regel anders, außer es kommt wirklich zu einem Staatsbankrott. Bei einem Kupon (oder Coupon, vom französischem Wort couper, welches übersetzt heißt: schneiden beziehungsweise ausschneiden) handelt es sich um einen Abschnitt eines Wertpapiers, der normalerweise zur Einlösung eines Gewinnanteils oder Zinses berechtigt. Der Begriff Kupon ist ebenfalls historisch, da man früher von dem Wertpapier jeweils zum Zins- oder Dividendentermin den Kupon abgeschnitten hatte, um diesen dann gegen Bargeld einzutauschen.

Im aktuellen Fall begab die Bundesrepublik Deutschland eine neue Anleihe zu 1,25 Prozent Zinsen, die erst in 30 Jahren fällig wird. Den Trend zu langen Laufzeiten gibt es schon länger, zum Beispiel wurde erst vergangene Woche in Österreich eine Anleihe mit 100 Jahren Laufzeit begeben, Österreich ist damit Vorreiter in Europa. In Deutschland sind 30 Jahre das Maximum, zumindest ist dies bisher immer der Fall gewesen. Problematisch hierbei ist natürlich, das niemand weiß, wie sich die Zinspolitik in Europa entwickeln wird. Zudem liegt im Euro-Raum derzeit die Inflationsrate bei 1,5 Prozent, damit liegt sie über den Zinsen der Anleihe. Da die EZB eine Inflationsrate von knapp 2 Prozent anstrebt, ist davon auszugehen, dass sie nicht weiter sinkt. Dennoch gaben von 36 Banken, die bei solchen Auktionen mitbieten dürfen, 26 Kaufgebote über zusammen 2,93 Milliarden Euro ab. Das liegt unter anderem daran, dass zum Beispiel Versicherungen einen Teil ihres Anlagenkapitals in sicheren Anleihen investieren müssen. Man kann also gespannt sein, welche weiteren Entwicklungen es auf dem Markt geben wird.


Bildquellen:

Bildquelle: Michaela Zimmermann / MZ-Datenservice

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