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PayPal – Die digitale Gefahr für traditionelle Banken

08.06.2018

Die deutschen Banken haben ihren vermutlich größten Fehler gemacht, als sie PayPal nicht als wahrhaftigen Konkurrenten wahrgenommen haben. Doch was macht das Unternehmen so erfolgreich und gleichzeitig gefährlich für die traditionellen Banken?

Der große Konkurrent

Bislang haben die traditionellen Banken PayPal nicht als richtige Konkurrenz angesehen. Sie haben den Online-Bezahldienst als „Bezahlknopf“ verharmlost. Doch genau diese Unterschätzung macht PayPal so gefährlich. Das Unternehmen erweitert seinen Einflussbereich nämlich Schritt für Schritt und baut seine Dienstleistungen aus. Mittlerweile haben 90 Prozent aller Online-Händler in Deutschland PayPal in ihre Bezahloptionen integriert. Vor Kurzem kaufte PayPal das schwedische Fintech „iZettle“ für 2,2 Milliarden Dollar auf. Damit will PayPal sein Kartenlesegeschäft ausbauen. Die Finanzbranche kann nur dabei zusehen, wie die einstige Tech-Plattform, zu einem ihrer größten Player heranwächst. PayPal baut sich sein eigenes Monopol auf, welches schnell zu direkter Konkurrenz für herkömmliche Banken werden kann. PayPal muss den Schritt gehen und mit den traditionellen Banken konkurrieren, da der Zahlungsverkehr im digitalen Zeitalter zu einem simplen Geschäft geworden ist. Der bisherige Erfolg ist mit einer bloßen Bezahldienstleistung nicht mehr zu erhalten. PayPal muss sich, wie andere Unternehmen auch, selbst neu erfinden, um bestehen zu bleiben. PayPal selbst beschreibt sich aber nicht als Bank und Sprecher des Unternehmens erklären dazu, dass sie nie die Absicht hatten mit den traditionellen Banken zu konkurrieren.

Wie funktioniert PayPal?

PayPal ist ein Online-Bezahldienst, dessen Hauptfunktion das Versenden von kleinen und mittleren Geldbeträgen ist. Das Unternehmen wurde 1998 gegründet und hat seinen Sitz in San José, Kalifornien. Bei PayPal gibt es keine Kontonummern. Die Konten sind alle virtuell und werden durch die E-Mail-Adressen der PayPal-Mitglieder identifiziert. Mit dem Konto können Zahlungen an Dritte ausgeführt werden und Zahlungen von Dritten können ebenfalls empfangen werden. PayPal fungiert hierbei als Dienstleister für den Transfer. So wie viele andere Micropayment-Systeme auch, hat PayPal den Vorteil, dass getätigte Zahlungen dem Zahlungsempfänger direkt gutgeschrieben werden. Die übliche Wartezeit, wie bei Überweisungen, entfällt. Vor allem wird PayPal für das Online-Shopping genutzt. In Online-Shops ist die Zahlung via PayPal sehr einfach und schnell. Die Lieferzeit verkürzt sich auch, da die Zahlung direkt beim Händler eingeht. Um Mitglied bei PayPal zu werden, müssen sich Kunden mit ihren persönlichen Daten registrieren. Zur Verifizierung des Mitglieds sendet PayPal eine Testüberweisung an das Bankkonto des Kunden, falls dieser es angegeben hat. Mitglieder können Geld an jede beliebige E-Mail-Adresse senden, in den Ländern in denen der Dienst unterstützt wird.

Zukunftsaussichten

Eine Zukunft für PayPal kann nur bestehen, wenn das Unternehmen seine Dienstleistungen weiter ausbaut. PayPal hat auf jeden Fall das Ziel weltweit mit Banken Kooperationen einzugehen. In den USA gelingt es dem Unternehmen so, ohne Banklizenz die wichtigsten Dienstleistungen einer Bank anzubieten. US-Bürger können beispielsweise Debitkarten von PayPal haben, mit denen Bargeld an herkömmlichen Geldautomaten gezogen werden kann. Sie können außerdem Geld ansparen und dieses ist dann über die US-Einlagensicherung geschützt. Allerdings gibt es auf das Geld keine Zinsen. PayPal bietet auch Konsumentenkredite und Finanzierungen für kleinere und mittlere Unternehmen an. Potenzial für den Bezahldienst liegt auch bei digitalen Gütern, wie Fernseh-Streaming-Diensten. Auch das kontextualisierte Bezahlen ist eine Möglichkeit, um die Dienstleistungen von PayPal zu erweitern. Beim kontextualisierten Bezahlen können Verbraucher Produkte direkt von Blogeinträgen kaufen. Für Deutschland hat PayPal auch besondere Pläne. Nach amerikanischem Vorbild, sollen auch in Deutschland Firmenkredite an Unternehmen vergeben werden.


Bildquellen:

Bildquelle: Michaela Zimmermann / MZ-Datenservice

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