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Sparkassen wollen Paydirekt mit Geld und Nutzern pushen

05.11.2017

Für Paydirekt ist ein Zuschuss in Höhe von 300 Millionen Euro geplant, ein Drittel davon würde die Sparkassen-Finanzgruppe (diese hält 40 Prozent an Paydirekt) selbst übernehmen. Denn es gilt einen großen Konkurrenten anzugreifen, dabei handelt es sich um kein geringeres Payment-Unternehmen als Paypal. Bisher nutzten nur 1,5 Millionen Menschen bei 1.350 Händlern die deutsche Variante des Online-Bezahlsystems namens Paydirekt.

Die Paydirekt GmbH ist ein Gemeinschaftsunternehmen der Deutschen Kreditwirtschaft und hat ihren Sitz in der Bankenstadt überhaupt und zwar in Frankfurt am Main. Bei Paydirekt selbst handelt es sich um ein Online-Bezahlverfahren der deutschen Banken und Sparkassen, welches erst im Jahre 2015 ins Leben gerufen wurde.

Für eine Registrierung bei Paydirekt muss man Kunde bei einer teilnehmenden Bank oder Sparkasse sein sowie über einen Online-Banking-Zugang verfügen. Seit Juli diesen Jahres können Kunden sich auch mit Hilfe einer App gegenseitig Geld überweisen. Im Gegensatz zu anderen Bezahldiensten dieser Art, handelt es sich hierbei um keinen Drittanbieter, sondern um eine Zusatzfunktion des eigenen Girokontos. So werden bei Zahlungen keine Kontoinformationen an Händler noch an Drittanbieter weitergegeben. Ein weiterer Vorteil hierbei ist auch, da es sich um ein in Deutschland betriebenes System handelt, gelten der deutsche Datenschutz sowie das deutsche Bankgeheimnis.

Um die Nutzerzahlen zu erhöhen, verschicken die meisten Sparkassen seit August diesen Jahres Anschreiben an ihre Kunden, in denen ihnen Änderungen der Allgemeinen Geschäftsbedingungen für das Girokonto und somit für die Nutzung von Paydirekt mitgeteilt wurde. Problematisch hierbei war und ist allerdings, dass fast alle Sparkassen eine sogenannte „Komfortregistrierung“ vornimmt beziehungsweise vorgenommen hat. Darunter ist die automatische Einrichtung eines Nutzeraccounts bei Paydirekt zu verstehen, nur wenn der Kunde aktiv widerspricht, wird kein Account angelegt und seine Stammdaten (zum Beispiel Adresse und Mailadresse) werden somit auch nicht an Paydirekt weitergegeben. Von diesem Verfahren sind rund 2,6 Millionen Kunden betroffen. Ob eine solche Registrierung über diese AGB-Änderung tatsächlich unbedenklich ist, ziehen Datenschützer in Zweifel: "Eine Einwilligung des Kunden zur Datenübermittlung oder Datenweitergabe allein aufgrund der Anerkenntnis der geänderten AGB halte ich grundsätzlich für nicht wirksam erteilt, da sie schwerlich den Anforderungen des § 4a Abs. 1 Bundesdatenschutzgesetz Rechnung trägt“, wird die zuständige Fallbearbeiterin beim Thüringer Landesdatenschutzbeauftragten zitiert.

Auch wenn diese „Zwangsregistrierung“ der Sparkassen teilweise nachvollziehbar ist, so sind doch einige Kunden sauer über diese Fremdbestimmung. Zudem ist es unwahrscheinlich, dass Paydirekt, zumindest in der nächsten Zeit, seinen größten Konkurrenten Paypal einholen wird. Denn eigenen Angaben zufolge hat Paypal 18,9 Millionen aktive Nutzer in Deutschland und wird von 15 Millionen Händlern weltweit akzeptiert. Der geplante 100-Millionen-Euro-Zuschuss für Paydirekt ist allerdings an zwei Bedingungen geknüpft. Zum einen sollen die Privatbanken und die genossenschaftlichen Institute sich ebenfalls mit jeweils 100 Millionen Euro beteiligen und zum anderen soll der aktuelle Paydirekt-Chef Niklas Bartelt ersetzt werden. Die Aufholjagd zu Paypal wird sich sicherlich nicht einfach gestalten und sollte Paydirekt dennoch scheitern, so drohen den Banken entsprechende Abschreibungen. Man kann also gespannt sein wie es weitergehen wird.


Bildquellen:

Bildquelle: Michaela Zimmermann / MZ-Datenservice

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