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Trier zahlt seit über 400 Jahren Hexengeld

25.04.2019

Das Mittelalter und die Frühe Neuzeit in Europa waren nicht die angenehmste Zeit für viele Menschen. Neben den kleinen Eiszeiten, pandemischen Seuchen und Kriegen war auch die anhaltende Hexenverfolgung ein Grund weswegen viele Menschen umkamen. In westlichen Ländern ist die Hexenverfolgung heutzutage eigentlich kein aktuelles Thema mehr. Im rheinland-pfälzischen Trier profitiert die Kirche aber bis heute von einem Hexenprozess, der schon über 400 Jahre zurück liegt.

Hexenverfolgung

In Europa war die Hexenverfolgung besonders in der Frühen Neuzeit gegenwärtig. Global gesehen gibt es bis heute noch Hexenverfolgungen. Besonders in Afrika, Südostasien und Lateinamerika werden Personen noch der Hexerei beschuldigt und unter Umständen auch dafür bestraft. Unter dem Begriff „Hexenverfolgung“ wird die Verfolgung und Bestrafung von Personen verstanden, von denen angenommen wird, dass sie Zauberei praktizieren oder in einem Bund mit dem Teufel stehen. Im Zuge der europäischen Hexenverfolgung wurden rund drei Millionen Menschen der Prozess gemacht. Zwischen 40.000 und 60.000 Betroffene wurden dabei hingerichtet. Obwohl vor allem Frauen Opfer der Hexenverfolgungen waren, gab es auch männliche Beschuldigte. So eben auch in Trier. Vor 430 Jahren verbrannte die Kirche in Trier den Uni-Rektor und kurfürstlichen Rat Dietrich Flade als „Hexenmeister“. Aufgrund eines uralten Vertrags profitiert die katholische Kirche noch heute von seiner Hinrichtung. Jedes Jahr wandern 362,50 Euro aus der Stadtkasse an die Kirche. Im Stadthaushalt wird diese Zahlung als „Verpflichtung aus dem Fladeschen Nachlass“ ausgewiesen.

Hintergrund des „Fladeschen Nachlasses“

Flade war eine angesehene Persönlichkeit der Stadt und war sehr wohlhabend. Er besaß gleich mehrere wichtige Ämter. Er war Doktor beider Rechte am Reichskammergericht, Rektor der Universität und kurfürstlicher Rat. Als Stadtschultheiß trieb er zudem auch die Abgaben der Bürger ein. Dadurch machte sich Flade nicht nur Freunde in der Stadt. Er leitete außerdem selbst auch Hexenprozesse und soll dabei zahlreiche Todesurteile gefällt haben. Die Urteile aus den Hexenprozessen beruhten dabei meist auf Geständnissen von Beschuldigten, die diese unter Folter abgaben. Dieses Schicksal musste Flade am eigenen Leib erfahren. Nachdem er selbst als Hexer beschuldigt wurde, konnte auch er der Folter nicht standhalten und gestand was die Anklage hören wollte. Sein Vermögen wanderte kurze Zeit nach seinem Ableben in die Hände des Erzbischofs Johann VII. von Schöneberg, dieser agierte zugleich als Kurfürst. Unter dem Vermögen befand sich auch ein Schuldschein über 4.000 Goldgulden, die Flade der Stadt Trier geliehen hatte. Diese wollte mit dem Geld einen Prozess für die Unabhängigkeit vom Kürfürsten führen. Die Stadt verlor allerdings den Prozess und Johann VII. verpflichtete Trier, Zinsen für das geliehene Geld zu zahlen. Das Geld sollte zur Aufbesserung des Pfarrergehalts dienen.

Hexengeld wird weitergezahlt

Bis heute zahlt die Stadt Trier der Kirche diese Zinsen. Die Stadt ist als Rechtsnachfolger der Stadtverwaltung dazu verpflichtet. Zuletzt war die Zahlung 2009 Thema im Stadtrat von Trier. Nach einigen Verhandlungen kam dabei aber raus, dass die Kirche auf die Zahlungen der Stadt besteht. Die Stadt konnte mit der Kirche allerdings einen Kompromiss aushandeln. Das Geld kommt nach Angaben des Bistums Trier nur sozialen Zwecken zu Gute. Derzeit wird es vor allem für die Obdachlosen-Hilfe der Stadt verwendet. Auch für die Zukunft soll sich an den Zahlungen nichts ändern.


Bildquellen:

Bildquelle: Michaela Zimmermann / MZ-Datenservice

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