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Was verbirgt sich hinter OpenSCHUFA?

19.05.2018

Jeder, der schon einmal eine Wohnung mieten wollte oder einen Kredit beantragt hatte, hatte bereits mit der Schufa zu tun. Seit 91 Jahren sammelt das Unternehmen bereits Finanzdaten von Kunden und berechnet daraus einen sogenannten Score. Die Berechnung des Scores ist Geschäftsgeheimnis. Das OpenSCHUFA-Projekt möchte dieser Berechnung nun selbst auf die Schliche kommen.

Was ist OpenSCHUFA?

OpenSCHUFA ist ein Crowdfunding-Projekt, das Spenden dafür sammelt, um die Methoden der Scoringfirma Schufa aufzudecken. Die Macher von OpenSCHUFA bitten daher um Geld- und Datenspenden auf der Plattform „Startnext“. Das Projekt wirbt mit dem Spruch „OpenSCHUFA – Wir knacken die Schufa“ für ihr Vorhaben. Das Ziel der Macher ist, laut eigenen Aussagen, die Ermittlung von „systematischen Fehlern“, die auftreten können, wenn der Schufa-Score ermittelt wird. Die Annahme, dass es zu Fehlern beim Scoring kommt, ist nicht unberechtigt. Es gibt Indizien, dass die Schufa teilweise unvollständige Daten verwendet und vielen Verbrauchern falsche negative Bewertungen zugeteilt hat. Diese negativen Bewertungen führen dazu, dass die Kreditwürdigkeit der Verbraucher ruiniert wird. Der „Startnext“-Seite von OpenSCHUFA ist auch zu entnehmen, dass sie herausfinden möchten, ob die Schufa bestimmte soziale Gruppen gezielt benachteiligt. An dem Projekt OpenSCHUFA arbeiten die Organisation „Algorithmwatch“ und der Verein „Open Knowledge Foundation Deutschland“ mit. Das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ wird als Medienpartner des Projekts genannt.

Was will OpenSCHUFA genau aufdecken und wie?

Nach eigenen Angaben hat die Schufa 864 Millionen positive und negative Daten zu 67,5 Millionen natürlichen Personen (normale Bundesbürger) und 5,3 Millionen Unternehmen gespeichert. Wie der Score aus diesen genau berechnet wird, kann nur spekuliert werden. Es ist nicht klar, welche Daten wie viel Einfluss auf den Score haben. Rechtlich gesehen muss das Unternehmen die Berechnung nicht offenlegen. Die Berechnung gilt als schützenswertes Betriebsgeheimnis, laut BGH. OpenSCHUFA möchte deshalb die Berechnung der Schufa selbst erforschen. Um dieses Unternehmen in die Tat umzusetzen, benötigen sie zunächst Geldspenden, die sie für die Entwicklung einer Open-Source-Software brauchen, um Schufa-Bescheide einzuscannen, auszulesen und die Daten zu speichern. Dazu brauchen sie die Daten von Verbrauchern. Jede Information, so die Macher des Projekts, ist dabei hilfreich (Alter, Geschlecht, Wohnsitz oder ähnliches). Auf der „Startnext“-Seite von OpenSCHUFA geben die Macher des Projekts zudem auch an, dass sie eine öffentliche Debatte über das Schufa-Scoring eröffnen möchten. Sie fordern dazu auf, so viele Menschen, wie möglich über das Projekt aufzuklären.

Reaktion der Schufa

Die Schufa ist von dem OpenSCHUFA-Projekt logischerweise überhaupt nicht begeistert. Die Schufa betont, dass sie die Kampagne „irreführend“ findet und diese „gegen Sicherheit und Datenschutz in Deutschland“ arbeitet. Nach eigenen Angaben ist die Schufa intensiv reguliert und transparent Behörden und Aufsichten gegenüber. Außerdem legt sie dem hessischen Datenschutzbeauftragten regelmäßig Rechenschaft ab. Zudem erfülle das Unternehmen auch eine wichtige Rolle im Wirtschaftsleben. Abgesehen davon warnt die Auskunftei auch vor Betrug und Missbrauch, welcher geschehen kann, wenn die Scoreformel offenbart wird. Die Schufa äußert sich dem Projekt kritisch gegenüber: „Denn wer, wenn nicht derjenige, der seinen Score manipulativ verbessern möchte, sollte ein Interesse daran haben, die Details eines wissenschaftlich anerkannten und in der Praxis bewährten Berechnungsverfahrens zu kennen?“, so der Vorwurf der Schufa. Das Unternehmen warnt außerdem davor, dass für die sensiblen Daten, wie die geforderten Selbstauskünfte, keine Sicherheit besteht. Die Schufa unterstellt dem OpenSCHUFA-Projekt zudem unlautere Motive. Der Projektpartner „Algorithmwatch“ werde schließlich von der Bertelsmann Stiftung finanziert. Diese ist wiederum Besitzer des Bertelsmann-Konzerns, der zu dem der Schufa-Konkurrent Arvato Infoscore gehört.


Bildquellen:

Bildquelle: Michaela Zimmermann / MZ-Datenservice

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