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Zehn Jahre Lehman-Pleite – Ein Rückblick

22.09.2018

Am 15. September 2008 musste die US-amerikanische Bank „Lehman-Brothers“ in Folge der voranschreitenden Weltwirtschaftskrise Insolvenz anmelden. Der Untergang der Bank läutete die schlimmste Weltwirtschaftskrise seit Jahrzehnten ein und erschütterte das westliche Finanzsystem bis in seine Grundpfeiler. Wie kam es aber überhaupt zu der Insolvenz und welche Folgen hatte das für Wirtschaft und Anleger?

Wie kam es zur Insolvenz?

Die US-amerikanische Bank „Lehman-Brothers“ wurde 1850 in Montgomery, Alabama gegründet. Wie der Name schon verkündet, wurde die Bank von drei Brüdern gegründet. Die drei Brüder Hayum (Henry), Mendel (Emmanuel) und Maier (Mayer) emigrierten zwischen 1844 und 1850 aus Deutschland in die USA. Die Bank gewann im Laufe der Zeit immer mehr an Marktanteilen. 1994 ging das Unternehmen schließlich an die Börse. Bevor das Unternehmen insolvent ging, konnte es sich eine feste Marktposition sichern. Der erste Schritt in die falsche Richtung war für Lehman-Brothers wahrscheinlich der Kauf von „Archstone-Smith“. Archstone-Smith war der zweitgrößte börsennotierte Wohnungseigentümer der USA. Der Kaufpreis für den Konzern betrug 22 Milliarden Dollar. Es dauerte nicht lange bis die Immobilienkrise über das Land kam. Wie viele andere Banken auch zur damaligen Zeit, war Lehman-Brothers angeschlagen durch die Immobilienkrise. Mit einer Insolvenz hatte aber niemand gerechnet. Am 10. September 2008 kündigte Lehman-Chef Richard Fuld einen Verlust von 3,9 Milliarden Dollar allein für das dritte Quartal 2008 an. Dieser Verlust verstärkte die Sorgen über eine Zahlungsunfähigkeit der Bank und somit war das Vertrauen dahin. Auch nach hektischen Verhandlungen konnte kein Käufer für die Bank gefunden werden und es blieb nur der Weg in die Pleite. Von Seiten der Politik gab es auch keine Möglichkeit einer Rettung. Die damalige US-Regierung hatte zuvor erst drei amerikanische Banken gerettet und noch eine zu retten, war zu diesem Zeitpunkt nicht möglich. Wie Experten heute wissen, hätte die Bank aber um jeden Preis gerettet werden müssen. Die Folgeschäden der Insolvenz waren enorm.

Was waren die direkten Folgen?

Das Vertrauen der Banken in einander und auch in den Staat war dahin. Nachdem es keine Rettung der Lehman-Brothers gab, waren sich die Banken sicher, dass auf eine Rettung durch den Staat nicht mehr gehofft werden konnte. Das erweckte natürlich auch Misstrauen untereinander. Die Banken wollten sich untereinander kurzfristig kein Geld mehr leihen. Dies war bis vor Beginn der Krise zwischen den Banken üblich. Durch dieses Misstrauen folgte ein Absturz der Finanzmärkte. Damit der Finanzmarkt nicht komplett austrocknet, pumpten die Notenbanken weltweit viel Geld in die Märkte. In den ersten Monaten stellten die USA und die sechs größten EU-Staaten gemeinsam 800 Milliarden Euro zur Stützung der Finanzbranche bereit. In Deutschland wollte die Regierung einen Ansturm auf die Banken verhindern und garantierte den Bürgern, dass ihre Bankeinlagen sicher seien. Das konnte den schweren Wirtschaftseinbruch aber nicht verhindern. Weltweit verloren Millionen Menschen ihre Arbeit. In Deutschland konnten aber über eine Millionen Jobs durch Kurzarbeit gerettet werden. Die deutsche Volkswirtschaft musste 2009 einen Einbruch von fünf Prozent verzeichnen.

Wie stark waren Anleger von der Insolvenz betroffen?

Als direkte Folge der Insolvenz von Lehman-Brothers verloren über 50.000 Anleger ihr Geld. Diese Anleger hatten zuvor Zertifikate der niederländischen Lehman-Tochter „Lehman Brothers Treasury Co. B. V.“ gekauft. Die Wertpapiere wurden als sicher verkauft, aber wie sich dann schließlich herausstellte, waren sie es nicht. Das Geld war weg. In Deutschland hatten auch viele Anleger bei der niederländischen Lehman-Tochter Zertifikate gekauft. Die deutschen Anleger leiteten, neben der Anmeldung ihrer Forderungen zur Insolvenztabelle in den USA und den Niederlanden, rechtliche Schritte gegen ihre Kreditinstitute wegen fehlerhafter Anlageberatung ein. Viele Anleger bekamen im Zuge dieser Klage eine Entschädigung ausgezahlt. Neben den zahlreichen Klageverfahren gab es aber auch Schlichtungsverfahren zwischen Anlegern und Banken.


Bildquellen:

Bildquelle: Michaela Zimmermann / MZ-Datenservice

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