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Ziehen sich Visa und Mastercard aus Libra zurück?

17.10.2019

Libra soll die neue digitale Währung werden – doch nicht nur immer mehr Regierungen, sondern auch Finanzpartner möchten scheinbar nicht mehr.

Unter dem Namen Libra hat Facebook schon vor vielen Monaten den Entwurf einer neuen virtuellen Weltwährung ins Spiel gebracht, sozusagen als ein Ersatz für Kryptowährungen wie Bitcoin, bei denen es Sicherheitsbedenken gibt. Bei Libra soll alles besser werden, die Überwachung soll durch die Menschen selbst sowie die Länder erfolgen. Doch das führt noch lange nicht dafür, dass Libra sich wirklich einer höheren Beliebtheit bei Regulierungsbehörden erfreuen würde. Die neue Weltwährung steht bereits nach wenigen Monaten im Kreuzfeuer der Regulierer.

Finanzpartner wollen sich zurückziehen

Auch wenn Libra mit großem Wirbel gestartet ist und Unternehmen wie Visa und Mastercard Projekt flankiert haben, scheint der Schutzwall mittlerweile zu bröckeln. Visa und Mastercard denken offen über einen Abschied von dem Projekt nach – weil sie sich vor dem Regulierungswut der Behörden fürchten. Auch PayPal und andere Finanzpartner melden öffentlich Bedenken an. Die Folgen für Libra könnten enorm sein, denn wenn die wichtigsten Partner abspringen, wird das Projekt kaum zu realisieren sein. Gerade die Kartenanbieter wie Visa, gleichzeitig auch das Kreditkartenunternehmen hinter der Deutschland-Kreditkarte, sind eine wichtige Säule im Aufbau der neuen digitalen Währung.

Verwerfungen an den Geldmärkten befürchtet

Die große Kritik der Regulierer hängt primär mit befürchteten Verwerfungen am Geldmarkt zusammen. Libra soll zwar fix an einen festen Währungskorb gekoppelt sein, das reicht den Behörden allerdings nicht. Zwar hat Facebook sogar veröffentlicht, wie genau der Währungskorb aussehen soll – also welche Währungen der Gradmesser für den Wert von Libra sein sollen. Doch den Behörden ist das noch lange nicht genügend Transparenz, besonders in Frankreich und Deutschland regt sich großer Widerstand. Besonders problematisch sehen die Regulierer zudem, dass Facebook so viele Mitglieder – über eine Milliarde Menschen – hat. Verwerfungen an den Finanzmärkten bei Problemen mit der Währung könnten selbst bei einer engen Bindung an reale Währungskörbe kaum verhindert werden.

Facebook versucht die Regierungen zu überzeugen

Für Facebook beginnt entsprechend ein langer Kampf gegen die Regulierungsbehörden, den das Unternehmen kaum gewinnen kann. Die Zweifel an privaten Währungen waren schon immer groß und nach vielen Datenschutzskandalen – zuletzt etwa bei Mastercard Priceless Specials – ist die Furcht vor privatem Einfluss auf das Geldsystem aber sogar noch einmal größer geworden. Ob Libra am Ende wirklich kommt, muss man also durchaus in Frage stellen. Sollten sich wichtige Finanzpartner wie Visa oder Mastercard sich wirklich verabschieden, wäre das ohne Zweifel ein schwerer Schlag für Facebook. Bis auf Weiteres bleibt modernes Bezahlen wohl auf Kreditkarten und das kontaktlose Bezahlen beschränkt.


Bildquellen:

Bildquelle: © Dusko Miljanic | Dreamstime.com

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